Hunde
Unter den Haustieren nehmen die Hunde in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Sie sind wohl diejenigen Tiere, die am engsten an uns Menschen angeschlossen sind. Eine andere Besonderheit ist, dass sie zu den Raubtieren gehören. Diese Zugehörigkeit mag auf den ersten Blick erstaunlich sein für ein Tier, das so eng mit Menschen zusammengelebt. Neben den Hunden sind nur wenige Raubtiere domestiziert worden (zur Haustieren gemacht worden.). Das sind im wesentlichen die Katzen und die Frettchen, die beide bei weitem nicht die gleiche Bindung an ihrer Menschen haben, wie Hunde sie entwickeln können, wenn man ihnen die Chance dazu lässt.
Es gibt noch andere Raubtiere, die bereits Domestikationsmerkmale ausgebildet haben, also solche Merkmale, die erst durch die Haustiere sehr dunkel entstehen und durch die Tiere von ihren wilden Stammformen deutlich zu unterscheiden sind. Aber diese möchte ich hier nicht mit Hunden, Katzen und Frettchen vergleichen oder in eine Reihe stellen, weil es sich dabei meistens um in Pelztierfarmen gezüchtete Kreaturen handelt, die sich sowohl in der Haltung als auch in der Entstehungsgeschichte ihrer Haustiermerkmale von den traditionellen Haustieren absolut unterscheiden.
Also zurück zu unseren Hunden. Die auf den ersten Blick manche Leute vielleicht erschreckende Eigenschaft als Raubtier ist gerade die, die uns den Zugang zu der Seele unserer Hunde, oder der Psyche wie immer sie es nennen wollen, so einfach macht. Denn durch diese Eigenschaft haben viele hundeartige Tiere einen Zusammenhalt und eine Verständigung mit ihren Familienangehörigen beziehungsweise den Angehörigen ihres Rudels entwickelt und perfektioniert, die in der Natur ihresgleichen suchen müssen. Der Gipfel dieser Perfektion wird sicher bei den frei lebenden Tieren im Wolfsrudel erreicht. Das ist dadurch bedingt, dass deren Vorfahren im Lauf der Evolution, der natürlichen Entwicklung der Tierarten also, die Zusammenarbeit als besonders effektive Jagdmethode für sich entdeckt haben.
Es überlebten diejenigen Rudel am erfolgreichsten, deren Zusammenspiel bei der Jagd am besten funktionierte. Daraus entstand mit dem Wolf eine Tierart, die eine besonders starke Bindung aneinander und eine besonders perfekte Verständigung miteinander zum Grundpfeiler ihres Überlebens gemacht hat, verbunden mit einer gewissen Aufgabenverteilung und einer klaren Rangordnung als Grundlage zur erfolgreichen Durchführung der gemeinsamen Aufgaben. Unsere Hunde als Nachkommen des Wolfs haben genau diese Eigenschaften behalten. Und dazu gewonnen haben sie die Fähigkeit sich an ein artfremdes Lebewesen ebenso perfekt anzuschließen wie ein ihresgleichen. Nämlich an uns Menschen.
Der genaue Ablauf wie aus Wölfen Hunde entstanden sind wird wohl niemals wirklich mit Sicherheit rekonstruiert werden können. Das muss auch für den praktischen Umgang mit unseren heutigen Hunden gar nicht unbedingt sein. Wichtig ist, dass wir wissen, welche psychologischen Grundbedürfnisse unserer Hunde aus dieser Entstehungsgeschichte heraus erhalten geblieben sind. Denn diese Kenntnisse versetzen uns in die Lage, die Hunde nicht nur ihrer Art gerecht zu halten, sondern ihnen auch unsere Wünsche zu vermitteln und sie dazu zu bewegen, die von uns gestellten Aufgaben auch noch gerne auszuführen und große Freude dabei zu empfinden.
Umso schrecklicher ist es für einen Hund, wenn er durch verständnislose Haltung in einer Vereinsamung dahinvegetieren muss. Das gilt sowohl für Hunde, die die meiste Zeit des Tages für sich allein in einem Käfig, Zwinger genannt, eingesperrt sind als auch für solche, die das schreckliche Dasein eines Kettenhundes führen müssen. Einen Hund zur Einsamkeit zu verdammen ist eine furchtbare seelische Grausamkeit, die den Tieren nicht wiedergutzumachende Schäden antun kann. Je jünger ein Hund ist, wenn dieser Horror beginnt, und je länger der Zustand dann andauert umso schlimmer sind natürlich die Folgen für die betroffenen Hunde.
Alles, was wir mit unseren Hunden erreichen und erleben können, basiert also auf der natürlichen Veranlagung zur Zusammenarbeit und zur Ausbildung einer klaren Rangordnung als Basis des Überlebens aller Beteiligten. Diese natürliche Veranlagung in unserem eigenen Hund zu erkennen und für die Erziehung, das Zusammenspiel, alle anderen gemeinsamen Aufgaben und die gemeinsame Lebensfreude zu nutzen ist unsere Aufgabe als Hundehalter.
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