Manche Hunde lassen bei der Begrüßung anscheinend unkontrolliert Wasser.
Manchmal sieht man, dass ein Hund dabei die Rute einklemmt und sich unterwürfig zeigt. Bei Welpen kann man es ja noch verstehen, aber bei einem erwachsenen Hund eigentlich nicht. Sind das noch Begrüßungsrituale der wölfischen Abstammung? Oder wie erklärt sich das?
Ich habe das so beantwortet:
Ich bin der Ansicht, dass der Auslöser von Hund zu Hund verschieden ist und nicht unbedingt mit Relikten wölfischer Begrüßngsrituale zu tun haben muss. Da ich nicht das Glück habe, Wölfe selbst beobachten zu können, bin ich in diesem Punkt auf Literaturangaben angewiesen, wüßte aber auf Anhieb keinen Autor, bei dem ich das als Regelfall jeder wölfischen Begrüßung der Welpen gelesen hätte.
Hunde sind bekanntlich auch keine Wölfe mehr und ich meine, man sollte sich hüten, Beobachtungen an Wölfen 1 zu 1 auf Hunde zu übertragen, oder jedes Verhalten eines Hundes auf ausschließlich wölfische Ursachen zurück führen zu wollen. Dazu sind mir die Möglichkeiten zu Veränderungen durch die Domestikation zu umfassend und zu vielfältig.
Sicher ist die Ursache bei vielen Hunden eine nervlich/wesensmäßige. Ich kann mich nicht erinnern, dieses Begrüßungsharnen schon mal bei einem wesensfesten, nervlich stabilen Hund erlebt zu haben, wohl aber bei ängstlichen Hunden, nervösen Hunden, besonders sensiblen Hunden, schlecht auf Menschen geprägten Hunden und eher bei Hündinnen als bei Rüden.
Neben der nervlichen Konstitution kommt meiner Ansicht nach auch eine stoffwechselbedingte Disposition in Frage.
Zu dieser Ansicht bin ich gekommen, weil ich selbst eine Hündin hatte (Tierschutzfall, wahrscheinlich Labrador-Schäferhund-und-Irgendwas-Mix, übernommen mit ca. 6 Monaten, Vorleben unbekannt), die uns lange mit dem Problem des Wasserlassens bei der Begrüßung genervt hat. Diese Hündin war ein kleines Filou, das nicht gerade leicht zu führen und zu erziehen war. Einerseits übertrieben brav und schnell unterwürfig, andererseits stets bereit, Verbotenes zu tun, wenn's keiner sah, reagierte auf Strafreize sehr empfindlich und war immer etwas nervig. Sah und hörte gern Gespenster, die nicht da waren.
Abhilfe konnte eine Homöopathin aus unserem Bekanntenkreis schaffen. Sie verordnete nach langer Befragung die 3-malige Gabe von Phosphor (Phosphorus D 30).Trotz all meiner Skepsis muss ich zugeben, dass das half! Bis dahin hatte ich das Begrüßungsharnen immer für ein rein verhaltensbedingtes, nervliches oder durch schlechte Erfahrungen oder schlechte Prägung ausgelöstes Problem gehalten. Bei Bonnie jedenfalls reichte bei jedem Rückfall eine neue Gabe, um das lästige Problem für Wochen oder Monate zu beseitigen.
Ein Hund, der sich unterwürfig zeigt und die Rute einklemmt, kann sich natürlich auch zu stark dominiert fühlen. Zu starkes Dominieren ist ja gerade bei "hoch im Blut" stehenden Hunden schnell möglich, weil Temperament und Sensibilität in Kombination nun mal schwer zu durchschauen und zu lenken sind. - Mancher gute Hund ist sicher in seinen Gebrauchseigenschaften durch einen für ihn überstarken, vielleicht von seinem Wesen her unsensiblen Hundeführer beeinträchtigt. Das kann sicher auch das unkontrollierte Harnen auslösen, eben durch die Verunsicherung.
Eine andere Möglichkeit könnte ich mir noch denken, wenn Hunde im Zwinger leben und nicht den weit überwiegenden Teil des Tages im Kontakt mit ihrem Menschen sind. Leider trifft dieses ja gerade für die Hunde vieler Jäger zu. Ich habe auch mit 18 die Jägerprüfung abgelegt und hatte PP und DK ebenfalls im Zwinger. Auch kenne ich es von den Schäferhunden, die mein Vater früher hatte, nicht anders, als dass sie in den Zwinger gehörten und nicht ins Haus. Da ich kein Interesse mehr an der Jagdausübung habe, sind unsere derzeitigen Hunde natürlich keine Jagdgebrauchshunde. Sie leben seit 20 Jahren nie im Zwinger, sondern nur im Haus, auch Schäferhund und Rottweiler. Vergleichsweise kann ich sagen: ich bin überzeugt, dass der Zwingerhund im Nachteil ist und manche Unsicherheit aus mangelndem Kontakt entsteht, weil man sich nicht wirklich genau kennt (Hund & Mensch). Da muss man sich nur noch einen Besitzer vorstellen, der etwas lieblos und ruppig und ohne den Willen, sich in sein Tier hineinzudenken, mit einem sensibel veranlagten Junghund umgeht, und schon ist alles da, was der Hund sein Leben lang nicht vergißt, um nervlich bedingtes Begrüßungsharnen auszulösen.
Bleibt abschließend festzustellen: ich meine wie immer, dass der einzelne Hund zu beobachten ist und dass der Beobachter (besser: die Beobachter) sich bemühen muss (müssen), unvoreingenommen die passenden Schlüsse für genau dieses Tier zu ziehen, um seine Maßnahmen oder sein Verhalten diesem anpassen zu können. Sicher wird es trotzdem manche Hunde geben, die ihr Leben lang dieses Verhalten nicht ablegen können.
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