Hunde Probleme (1)
Noch mal: Der wesentliche Lebensinhalt Ihres Hundes ist das, was er mit Ihnen erlebt!
Wenn Sie Ihrem Hund keine Gelegenheit bieten, seinen Bedürfnissen entsprechend
ausgelastet zu sein, dann wird er sehr bald zu unerwünschten und oft ärgerlichen
Gewohnheiten finden.
Zum Beispiel zum Beschädigen diverser (Einrichtungs-) Gegenstände, dauerndem
Bellen oder auch Aggressivität gegenüber Tieren oder Menschen (auch Hunden
und Familienangehörigen).
Besonders Hunde der ausgesprochenen
Arbeitsrassen, wie Jagdgebrauchshunde, Hütehunde, besonders aus Leistungslinien,
manche Exemplare aus den "Schutzhundrassen" oder auch Herdenschutzhunde und
ursprünglich gebliebene Windhunde, z.B. unter den Barsois zu finden, werden manchen
unvorbereiteten Hundefreund vor erhebliche Probleme stellen.
Es ist sicher nötig zu diesen Rassen ein paar Worte einzufügen:
Grundsätzlich sind solche Hunde da am besten aufgehoben, wo sie ihrer Herkunft
entsprechend wirklich eingesetzt werden können.
Sollten Sie einen solchen Hund bereits haben, so müssen Sie
sich schon was einfallen lassen, um ihn auszulasten. Sie müssen sich außerdem
darüber klar sein, dass hier die konsequente Durchsetzung der Rangordnung noch
wichtiger ist als bei Tieren mit weniger Tatendrang und Eigeninitiative und Intelligenz.
- - Aber machen Sie bitte nicht die neue Mode mit, sich ein paar Schafe anzuschaffen,
um diese dann "hüten" zu können!
Sie lesen richtig: heutzutage kaufen sich manche Leute einige Schafe, um gelegentlich
zu hüten und mit Ihrem Hund einige Aufgaben an den Schafen zu üben. Sie hüten
nicht, weil sie eine Herde Schafe haben und den Hund als Helfer tatsächlich brauchen.
Meine Meinung dazu ist: hier werden die Verhältnisse ins Gegenteil verdreht und
es ist sicher kein Vergnügen für ein halbes oder ganzes Dutzend Schafe, als
Übungsobjekte zum "Sporthüten" herhalten zu müssen, nur zum
Beschäftigen des Hundes und zum Spaß für die Halter. Für meine
Begriffe ist das ebenso widersinnig und tierverachtend wie das Kälberfangen oder
Rodeoreiten in der Westernreiterszene! Sogar von abendlichen "Hüteübungen"
in der Reithalle habe ich schon gehört; zu einer Zeit also, wo der Biorhythmus
der Schafe entweder auf Fressen oder auf Ruhen ausgerichtet ist... - -
Also: ein Hund, der gezüchtet wurde, um im harten Arbeitseinsatz
Leistung zu bringen, hat Energien in sich, die viele sich nicht mal ansatzweise vorstellen
können!

Er hat nicht nur ein enormes Bewegungsbedürfnis, sondern auch einen großen
Bedarf an Einsatzmöglichkeiten für seine Intelligenz. Es reicht z.B. nicht,
den Hund am Fahrrad rein mechanisch einfach müde zu machen. Zusätzlich zum
Laufen benötigt er Aufgaben zum Mitdenken!
Alles, was ein solcher Hund anfängt, geht er mit Energie und Durchsetzungsvermögen
an.
Schließlich gehört es zu seinen ursprünglichen Aufgaben widerspenstige
Tiere zu bändigen oder Herden unter Kontrolle zu halten und zu treiben oder auch
verletzte Tiere zu erlösen (im Fall des nachsuchenden Jagdhundes) oder bis vor
wenigen Jahren auch so genanntes Raubzeug (als Jagdgebrauchshund) sicher abzuwürgen.
Alle diese Aufgaben erfordern natürlich
ein hohes Maß am innerer Energie des eingesetzten Hundes, an Mut und an Durchsetzungsvermögen.
Anders wären sie nicht lösbar.
Um es zu wiederholen: mancher tier- und naturfremde Mensch kann sich diese Energien
nicht vorstellen, obwohl das ganz normal ist für diese Gebrauchsrassen!
Denn solche Rassen wurden eben schon seit vielen Generationen darauf hingezüchtet,
diesen Aufgaben gewachsen zu sein! Sie stammen aus Epochen und einer Umgebung, die
dem Ursprünglichen, Natürlichen noch sehr nahe kam.
Diese Rassen sind auch nicht etwa generell gefährlich. Im Gegenteil,
sie sind außerdem oft auch auf Menschbezogenheit und Führigkeit gezüchtet.
Aber leichtführig sind sie eben nach den robust-herzlichen
Maßstäben naturverwachsener Leute, die auch ihrerseits in der Lage waren
(und sind) Bullen, Schafböcke, Hengste und Tierherden zu beherrschen oder eben
als Jäger eine andere Sicht der Dinge haben, als es heute meist üblich ist.
Und unter Lebensverhältnissen, unter denen diese Hunde
ausgelastet sind!
Auch wenn die meisten Leser wahrscheinlich diese Maßstäbe
und Lebensverhältnisse nicht als den Normalfall ihres Alltags ansehen: Sie sind
und bleiben trotzdem so normal und natürlich wie Sonne und Mond! Wer die heutige
Entfremdung vom Natürlichen und Ursprünglichen zum allgemeingültigen
Maßstab erheben will, der wird in diesem Bereich (wie auch anderswo) feststellen
müssen, dass mit solcher Einstellung ein Weiterkommen nicht möglich ist.
Leider spielen manche Züchter die Eigenschaften
ihrer Tiere herunter, um Welpen an möglichst viele arglose Interessenten abgeben
zu können; andererseits fühlen sich auch viele Hundeinteressenten von der
"Ursprünglichkeit" einiger dieser Rassen angezogen. Einigen gefällt
es vielleicht auch, sich vom Durchschnitt abzuheben, wenn sie einen ungewöhnlichen
Hund haben (einer der unsinnigsten und tierverachtendsten Gründe, sich für
eine bestimmte Rasse zu entscheiden!).
Ich kann Ihnen nur raten: Informieren Sie sich über solche Rassen gründlich
und nicht nur bei einem einzigen Züchter! Fragen Sie auch Hundeerzieher, die viele
Rassen erlebt haben und die nicht solche Hunde verkaufen wollen, für die Sie sich
gerade interessieren, nach deren Erfahrungen. Fragen Sie Besitzer solcher Hunde nach
ihren Erfahrungen. Machen Sie nicht Einzelfälle zu Ihrer Entscheidungsgrundlage,
sondern versuchen Sie, sich einen möglichst breiten Überblick zu verschaffen.
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Und dann überlegen Sie es sich lieber noch zehnmal, ob Sie diesen Tieren gewachsen sind und ob Sie vor allem bereit und in der Lage sind, solchen hohen Ansprüchen gerecht zu werden! Vergessen Sie nicht den erhöhten Zeitaufwand im Vergleich zu anderen Hunden zu bedenken! Und das ein ganzes Hundeleben lang.

Noch eine Anmerkung zu den Herdenschutzhunden wie Owtscharkas, Kuwasz, Kangal usw.: Diese Tiere sind nicht Hütehunde! Sie sind nicht auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen hingezüchtet. In ihren Ursprungsgebieten werden sie als Verteidiger (nicht nur Wächter!) der Herden gegen Wölfe, Bären und teils auch gegen Diebe eingesetzt. Dazu werden sie im Schafstall aufgezogen und auf Schafe geprägt. Sie bleiben von selbst bei der Herde und sind kompromisslose Verteidiger, die nicht wissen, was Angst ist. Bei Nacht soll nicht mal mancher Besitzer an seine Schafe herankommen. Auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen: diese Hunde passen dahin, wo sie entstanden sind! Unter hiesigen Verhältnissen sind diverse Probleme vorprogrammiert. Immer sind dann die Hunde die Leidtragenden, die ausbaden müssen, was menschlicher Unverstand ihnen aufgebürdet hat!
Lesen Sie weiter: Probleme(2): Wildreinheit
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