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10 - Gundsätze
11 - Schluss
12 - Nachschlag
 
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Jagdtrieb und Wildreinheit

 

Probleme (2): Wildreinheit

Ein Problem, das Sie mit jedem Hund haben können, ist der Jagdtrieb. Es geht natürlich nicht an, dass jemand seinen Hund Wild hetzen lässt. Sie können daran arbeiten, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Es ist mir schon passiert, dass ein Hundehalter mir sagte: "Ein Irischer Setter braucht eben mehr Bewegung als die meisten anderen Hunde! Da müssen die Jäger schon mal akzeptieren, dass er gelegentlich hinter ein paar Rehen herläuft! Schließlich ist das artgemäß für meinen Hund." Der das sagte war sogar ein offensichtlich erfolgreicher Mann an die sechzig, teuer gekleidet, dickes Auto.

Hund und Wild: Scheues Wild kann ein Zeichen dafür sein, dass hier oft unvernünftige Hundehalter unterwegs sindAber begriffen was er mit seinem Hund dem Wild antat, hatte der nun wirklich gar nicht. Es geht überhaupt nicht um die Jäger, es geht um die freilebende Tierwelt!

Wer seinen Hund nicht zuverlässig am Wildhetzen hindert, der sorgt auch dafür, dass die gesetzlichen Einschränkungen immer enger werden.
Der unmögliche Leinenzwang für alle - und wenn es nur zu bestimmten Zeiten ist, wie bei uns in Niedersachsen - ist z.B. die direkte Folge des verantwortungslosen Handelns einzelner Hundehalter.
Alle anderen und besonders die Hunde, auch wenn sie gut erzogen und zuverlässig sind, haben das dann kollektiv mit auszubaden.

Genauso ist es mit der Idee "Hundeführerschein", die ich nur absolut absurd und überflüssig finden kann, schließlich gehören Hunde seit mindestens 15.000 Jahren selbstverständlich fast überall da hin, wo auch Menschen sind. Bestrebungen, dieses von einer Selbstverständlichkeit zu einer prüf- und genehmigungspflichtigen Besonderheit zu degradieren empfinde ich als geradezu abartig (es passt allerdings zur deutschen Sucht nach Einschränkung, Bevormundung und Bescheinigungen).

Es gehört nach meiner Überzeugung zu dem im Grundgesetz festgeschriebenen Recht auf freie Entfaltung der Presönlichkeit, sich mit Tieren zu befassen. Und das schließt die Hundehaltung nun einmal mit ein. Für mich ist dieser Eingriff ins Prvatleben die Vorstufe zum Atemberechtigungsschein. Ein paar weitere Bemerkungen zum Hundeführerschein auf der Seite "Hundehalter" und im Blogposting zum Hundeführerschein.

Der Hase hat auch ohne ihren Hund genug Probleme in der heutigen Welt!Jedenfalls: Sie als Hundehalter haben dafür zu sorgen, dass Ihr Tier keinen Schaden anrichtet.
Sowohl von Gesetzes wegen als auch rein sachlich gesehen: In einem so hoffnungslos überbevölkerten Land wie Deutschland bleiben dem Wild keine wirklichen Rückzugsgebiete mehr, denn es gibt an keiner Stelle dieses Landes noch wirkliche unbeeinflusste, ursprüngliche Natur.
Die Wildtiere sind also auch ohne Ihren Hund schon einem schädlichen Dauerstress ausgesetzt, der das Verhalten der Wildpopulationen bereits stark verändert hat, im Vergleich zu wirklich naturgemäß lebenden Wildbeständen.

Ihnen als Tierfreund sollte es also ein echtes Anliegen und Bedürfnis sein, dass Ihr Hund nicht Tiere hetzt.

Diese Zusammenhänge erwähne ich deswegen hier, weil viele Hundebesitzer mit der Thematik und mit dem Leben der einheimischen freilebenden Tierwelt nicht vertraut sind. Ich wünsche mir, dass ich die Leser dafür sensibilisieren kann.

Ich möchte Sie damit motivieren, wirklich Energie und Tatkraft aufzuwenden, damit Ihr Hund dieses unerträgliche Hetzen von Wild unterlässt!
Auch diese Hirsche werden durch streunende und hetzende Hunde stark beeinträchtigt.
Die beste Möglichkeit hierzu ist, wenn Sie einen jungen Hund von vornherein daran hindern, dies zu tun. Das ist durchaus möglich, setzt aber voraus, dass man seinen Hund wirklich mit Sinn und Verstand führt. Wenn Sie mit einem Welpen oder Junghund unterwegs sind, ist es bereits an der Zeit, sofort das Verbotswort zu sagen, und zwar im "Anschnauztonfall", wenn ihn der Anblick oder eine Spur von Wild interessiert!

Welches Wort Sie wählen ist Ihnen überlassen, nur es muss immer das gleiche sein. Aber ob Sie "Nein" oder "Pfui" ober "Lass das" sagen ist egal. Allerdings ist es wichtig, dass alle, die mit dem Hund umgehen, die gleichen Befehle benutzen. Wenn mehrere Personen mit dem gleichen Hund umgehen, müssen Sie sich unbedingt auf eine klare Kommandosprache einigen, die jeder zuverlässig einhält! Aber das war Ihnen wahrscheinlich auch so schon klar!

Noch eine grungsätzliche Bemerkung kann hier für manche Leser angebracht sein: Ein Hund, der zuverlässig sein soll, darf niemals unbeaufsichtigt für sich allein in der Gegend herumstromern. Er muss entweder in einem eingezäunten Areal (Garten, Hof) bleiben oder unter Kontrolle von jemandem sein, der ihn zuverlässig führen kann. Unbeaufsichtigtes Streunen verdirbt auch den besten Hund in kurzer Zeit!

Zurück zum Wildern: Der Jagdtrieb ist zwar eine naturbedingte Veranlagung des Hundes, er muss aber trotzdem im Laufe der Zeit erst richtig entwickelt werden, um voll zur Ausprägung zu kommen. Wenn Sie diese Entwicklung von vornherein verhindern, dann haben Sie in vielen Fällen eine gute Chance, dass der erwachsene Hund kein Interesse mehr an Wild zeigt, weil die Anlage nie gefördert wurde und irgendwann verkümmert. Die Jugendentwicklung der Hunde enthält nämlich verschiedene Phasen, in denen sie eine besondere naturgegebene Bereitschaft haben zu lernen oder ihre Anlagen zu entwickeln. Im späteren Alter sind dann größere Anreize nötig um die Entwicklung auszulösen.

Ein braver Hund hat gelernt, kein Wild zu hetzen!Sie können ihn auch daran gewöhnen, dass er beim Anblick von Wild (und Geflügel oder Haustieren) sofort zu Ihnen kommt und dort ein richtig schönes Leckerli oder - oft noch viel besser - ein spontanes interaktives Belohnungsspiel bekommt und ganz ganz dickes Lob! Das funktioniert um so schlechter, je öfter er schon mal gehetzt hat. Aber auch nach ein paar erfolglosen "Fehltritten" des Hundes ist das noch möglich. Am besten lassen Sie es gar nicht erst dazu kommen und fangen jung an. Dann sind Sie auf der sicheren Seite!

Er wird sehr bald verknüpfen, dass das Auftauchen von Tieren ein Signal für ihn ist, sich bei Ihnen was abzuholen. Führen Sie das konsequent durch und Sie haben die reelle Chance auf einen lebenslang wildreinen Hund!

Auf diese Art können Sie die Wildreinheit über eine positive Verknüpfung erreichen.

Das ist viel wirkungsvoller, als das bloße Verbot. Denn das Verbot ist negativ und Sie haben keine Möglichkeit seine Befolgung direkt zu belohnen. Sie müssten dann die Stimmung Ihres Hundes nämlich so lange gedrückt halten, bis der Auslöser, das Wild also, nicht nur aus seinen Augen, sondern auch aus seinem Sinn verschwunden ist.

Wie Sie bereits wissen, beobachtet der Hundehalter ständig seine Umgebung und registriert alles, was es da zu sehen gibt. Er kann also rechtzeitig auf seinen Hund einwirken, um Fehlverhalten zu verhindern. Notfalls mit Anleinen, wenn der Grundgehorsam noch nicht fest sitzt.

Später sollte es ohne Probleme möglich sein, den Hund frei bei Fuß zu haben, auch wenn er Wild in kurzer Entfernung flüchten sieht.

Falls Sie von Ihrem Hund wissen, dass das nicht möglich ist, dann leinen Sie Ihn rechtzeitig an! Oder führen Sie ihn in wildreichen Gebieten grundsätzlich an der Leine.
Das sind Sie nicht nur Ihrem guten Ruf und der Allgemeinheit der Hunde und ihrer Halter schuldig, sondern auch den freilebenden Tieren in der Landschaft. Ganz besonders aber Ihrem Hund selbst, der Ihre Nachlässigkeit sonst eventuell mit seinem Leben bezahlen muss. Sei es, dass er beim Hetzen unters Auto kommt oder dass doch mal ein Jäger von seinem Recht (eigentlich: seiner Pflicht) Gebrauch macht und einen wildernden Hund abschießt. Das kommt heute allerdings eher nur ausnahmsweise vor, die meisten Jäger wollen das nicht tun.
Brave Hunde kennen ihre Grenzen.
Sollte Ihr Hund schon gelernt haben, dem Wild hinterherzulaufen, wird es sehr schwierig, ihm das wieder abzugewöhnen. Es gelingt nicht bei jedem Hund.

Die Voraussetzungen, dass Sie überhaupt noch was ändern können, sind eine klare Rangordnung, ein hohes Maß an Übung im Anwenden dieser Rangordnung (Das Gehorchen muss grundsätzlich schon eine Selbstverständlichkeit sein) und dass Ihr Hund in seinem normalen Tagesablauf beschäftigungs- und bewegungsmäßig ausgelastet ist. Sonst haben Sie nicht die geringste Chance, irgendwas daran zu ändern und müssen ihren Hund an der Leine führen, wo es Wild gibt.

Ein Hund, der nicht ausgelastet ist, sucht unbewusst ständig ein Ventil, um seinen aufgestauten Tatendrang abzureagieren. Je mehr dieser sich aufgestaut hat, um so niedriger wird die Reizschwelle. Das heißt, auch da, wo er sonst noch zuverlässig war, kann dann plötzlich sein Jagdtrieb mit ihm durchgehen und er ist weg.
Sie brauchen dann nur einmal rufen. Wahrscheinlich nimmt er das gar nicht bewusst wahr, weil seine Sinne ausschließlich auf die Beute fixiert sind. Rufen oder pfeifen Sie erst nach ein paar Minuten wieder, dann merkt er nicht, dass Sie gar nichts machen können, wenn er erstmal rennt.

Ein paar Minuten später hat er jedoch das Wild wahrscheinlich aus den Augen verloren und wird bald zurück sein. Jetzt rufen oder pfeifen Sie auch ruhig ein paar Mal, denn eventuell hat Ihr Hund die Orientierung verloren und braucht das Rufen um Sie zu finden.

Wenn er dann kommt: Anleinen, gleichgültig bleiben und auf keinen Fall bestrafen oder schimpfen!!

Ein kleines Schweinchen muss nicht eine Beute für die Hunde sein!Denn die Strafe würde er nur auf das Kommen, nicht auf das Hetzen beziehen. Sie würden das Problem vergrößern und ihm nicht entgegenwirken.

Vergessen Sie auf keinen Fall, dass Ihr Hund weder gut noch böse ist, wenn er wirklich mal gehetzt hat! Er lebt einfach nur seine ganz normale Natur aus.

Also, wie immer: Ruhe bewahren und locker bleiben.

Ich weiß nicht, was Sie mit Ihrem Hund sonst so alles üben. Aber ein beliebtes Spiel ist ja das Stöckchen schmeißen. Das könnten Sie ausbauen, um mehr Einfluss auf Ihren Hund zu gewinnen.

Machen Sie aus dem Stöckchen (oder Ball, Apportierholz, Frisbie usw) -Holen ein geregeltes Apportieren. Das heißt, dass der Hund neben Ihnen sitzt, wenn Sie den Gegenstand werfen. Er hat dann sitzen zu bleiben, bis Sie den Befehl zum Holen geben. Steigern Sie das weiter. Ihr Hund sollte das Platzmachen (=Hinlegen) bereits beherrschen. Und zwar so, dass Sie ihn dazu auch auf Entfernung dazu veranlassen können. Dann schicken Sie ihn holen und unterbrechen das Mit "Platz" (oder "Down" oder welches Kommando sie sonst benutzen).

Wenn Sie erreicht haben, dass Sie Ihren Hund im Vorstürmen unterbrechen können, um ihn dann erneut zum Apportieren aufzufordern, dann haben Sie Ihren Einfluss schon erheblich vergrößert.

Mancher bemerkt den Jagdtrieb seiner Hunde nicht, aber auch dieser hat ihn.Dann können Sie ihn eventuell auch stoppen, wenn er hetzen will. Es ist in jedem Fall wesentlich leichter, den Hund zum Abbremsen zu bringen, als zum Umkehren, wenn er hetzt.

Früher hieß es: "Das Platzmachen ist die Seele der Abrichtung." Das Wort "Abrichtung" ist zu Recht heute verpönt, aber das Platzmachen ist trotzdem immer noch genauso wichtig, um einen zuverlässigen Hund zu erziehen.

Wenn Sie Ihren Hund so weit gebracht haben, dass das klappt, machen Sie es nicht wieder zunichte, indem Sie ihn jetzt sofort loben. In diesem Fall müssen Sie damit warten, er würde es sonst sofort als Freibrief zum Weiterhetzen auffassen!


Gehen Sie ruhig, wie Sie es als souveräner Hundeerzieher ja von sich gewohnt sind, zu Ihrem Hund hin, leinen Sie ihn an und erlauben Sie ihm erst jetzt wieder aufzustehen. Und nun loben, hätscheln und verwöhnen Sie ihn mit Leckerlis!

Wie schön, wenn man sich darauf verlassen kann, dass die Hunde wirklich wildrein sind!Wenn Sie nicht zu denen gehören, die apportieren üben, können Sie das Patzmachen aus dem vollen Lauf auch üben, indem Sie mit einer weiteren Person, die der Hund gut kennt, z.B. ein anderes Familienmitglied, rausgehen. Entfernen Sie sich voneinander und veranlassen Sie den Hund zwischen Ihnen beiden hin und her zu rennen. Einer schickt, der andere ruft und umgekehrt. Das macht den meisten Hunden bald Spaß, besonders., wenn auch noch "was abfällt" beim Erreichen der anderen Person. Sowas alles kann man einfach mal so beim Spazierengehen einschalten, wie alle anderen Übungen auch. Dazu wird kein Übungsplatz gebraucht.

Wenn Ihr Hund das Spiel schon kennt, beginnen sie, ihn beim Wechsel mit "Platz" zu unterbrechen. Zuerst natürlich auf nächste Entfernung, 5 Meter etwa von Person zu Person. Wenn das sitzt, dann ziehen Sie die Distanz allmählich weiter (kleine Schrittchen, erinnern Sie das noch?). Das können dann auch mal 50 Meter sein, mehr ist nicht nötig.
Und spielen Sie das Spiel mal so, mal so. Ihr Hund soll nicht vorher wissen, dass gleich das Platz-Kommando kommt!

Lesen Sie weiter: weitere Grundsätze



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